Energiearbeit und weibliche Entwicklung

Energiearbeit ist nicht immer gesundheitsförderlich – besonders, wenn es um die Heilung der Weiblichkeit geht.

Die Intensität und das Spüren von Energien ist auch kein Maßstab für eine tief greifende Heilung der Sexualität oder gar für spirituelles Erwachen. Im Gegenteil: Es kann die persönliche Entwicklung sogar hemmen, behauptet die medizinische Sexologin und spirituelle Lehrerin Maitreyi D. Piontek

Auszug aus Buch „Die Wunder der weiblichen Sexualität“ von Maitreyi D. Piontek

Energiearbeit beinhaltet all die Techniken, mit denen willentlich auf den eigenen oder den Energiehaushalt eines anderen Menschen eingewirkt wird. Mithilfe mentaler Techniken wie zum Beispiel Konzentration oder durch bestimmte Bewegungen, Atemtechniken oder auch die Gesetze der Polarität werden unterschiedliche Energien erweckt, aufgenommen, bewegt, verteilt oder verfeinert. Energiearbeit ist ein äußerst kraftvolles Instrument, auch wenn es manchmal heißt, es handle sich lediglich um ein paar “gesundheitsfördernde” Übungen. Fließt die Sexualität mit ein, wird ihre Wirkung noch verstärkt.

Energetische Praktiken oder auch energetische Behandlungen lösen vor allem auch bei Anfängern ohne Vorkenntnisse sehr leicht intensive Erfahrungen aus. Methoden wie Qi Kung, Tai Chi, Reiki, Prana-Heilung, Polarity oder auch Tao-Yoga, Sexualyoga und wie sie alle heißen, sind daher sehr weit verbreitet und genießen große Popularität. Die Arbeit mit den Elementen, wie sie in Ritualen praktiziert wird, gehört ebenso dazu. Aber auch Sport, Tanzen, Kampfkünste, Beckenbodentraining und körperliche Yoga-Übungen sind nicht zuletzt wegen ihrer energetisierenden Wirkung so beliebt. Vor allem Frauen, die von ihren Gefühlen abgespalten leben und ihren Gefühlskörper nicht entwickelt haben, lassen sich durch die intensiven energetischen Erfahrungen beeindrucken und sind dann schnell davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn dann noch die Aussicht auf besseren Sex und/oder eine berufliche Nutzung dazu kommt, gibt es meist kein Halten mehr. Dass Energiearbeit oft als spirituelle Praktik oder universelles  Heilmittel verkauft wird, kreiert große Missverständnisse und blockiert die Entwicklung vieler Frauen schon auf den untersten Ebenen.

Männliche und weibliche Wege

Traditionellerweise wurde Energiearbeit von Männern für Männer entwickelt. Energie bildet das Fundament der Männlichkeit. So kann Energiearbeit beispielsweise den bewussten Umgang mit der Sexualität erleichtern und ist daher für  die männliche Entwicklung ein sehr hilfreiches Tool.  Es benötigt viel Energie und Kraft,  das männliche Feuer aus den Fesseln des  Kollektivs zu befreien, um Sex auf einem höheren Energieniveau bewusst und kreativ zu leben.

Die weibliche Entwicklung hingegen baut auf den Mysterien des Blutes, der Gebärmutter und der Rehabilitation des Gefühlskörpers auf. Das ist eine andere Ausgangslage, und dazu braucht es auch eine andere Vorgehensweise. Die Weiblichkeit wurde lange global unterdrückt, so dass sie zur großen Unbekannten geworden ist. Vom weiblichen Bewusstsein abgeschnitten, kennen Frauen vor allem die männliche Welt. Unwissentlich werden deshalb auch für die Entwicklung der weiblichen Sexualität und Spiritualität überwiegend energetische Methoden und Praktiken eingesetzt, die die männlichen Anteile ansprechen und stärken. Weibliche Wege sind nach wie vor unbekannt und ungewohnt. Deshalb möchte ich mit diesem Beitrag für dieses wichtige Thema sensibilisieren.

Auf der richtigen Ebene, im richtigen Körper

Intensität und das Spüren von Energien ist keineswegs der Maßstab für tief greifende Heilung der  weiblichen Sexualität oder gar für spirituelles Erwachen. Es ist ein befreiter und gut genährter Gefühlskörper, der besonders für die spirituelle Entwicklung der Frau eine zentrale und transformierende Rolle übernimmt. Versehentlich oder auch willentlich werden emotionale Prozesse auf die energetische oder auf die Verstandesebene transferiert, wie das häufig im Zusammenhang mit Energiearbeit und Therapie geschieht. Allein dadurch, dass Frauen angehalten werden, über ihre Emotionen zu reden, und indem sie ihre Gefühle analysieren und mit dem Kopf verstehen und so Probleme lösen wollen, spalten sie sich von ihrem Gefühlskörper ab, was die weibliche Heilung verhindert. In den taoistischen Praktiken und auch in anderen Systemen ist es gang und gäbe, Emotionen im Energiekörper mit Hilfe des Verstandes zu bearbeiten. Durch diese gezielten Manipulationen entstehen Energiemuster, die die Weiblichkeit erneut verdrängen. Unbewusste Emotionen und Persönlichkeitsmuster werden durch Energiearbeit nicht aufgelöst, sondern lediglich in tiefere unbewusste Schichten gedrängt und dort noch mehr gefestigt und fixiert. So wird es immer schwieriger, mit der eigenen inneren weiblichen Realität in bewussten Kontakt zu kommen.

Im Grunde gehört Energiearbeit in die Hände von authentischen Frauen, die in ihrer spirituellen Schulung so weit sind, dass sie die unterschiedlichen Ebenen – wie Energie, Gefühle, die spirituelle Ebene und die Persönlichkeit – deutlich voneinander unterscheiden können Und dazu müssen sie die unterschiedlichen Körper in sich bewusst entwickelt haben.

Die unterschiedlichen Ebenen erkennen

Energiearbeit findet im Energiekörper statt, der ein Teil des sogenannten Ätherleibs ist. Der Energiekörper als der feinstoffliche Teil des physischen Körpers versorgt diesen mit Lebenskraft. Wie gesagt: Es ist viel einfacher und geht auch deutlich schneller, Energien zu aktivieren oder aufzunehmen, als einen verletzten Gefühlskörper zu heilen. Für eine verletzte Frau, die dadurch in männlichen Mustern lebt, ist es  einfacher, Energien zu aktivieren und zu spüren, als sich selbst zu fühlen. Doch das sind wesentliche Unterschiede. Die emotionale weibliche Heilung findet überwiegend im Gefühlskörper statt, und der ist ein Teil des so genannten Astralkörpers. Die Gefühlsebene entspricht nicht der energetischen Ebene, mit Energie können weder emotionale Wunden geheilt noch eine geschwächte weibliche Substanz, wie Blut und Knochen, aufgebaut werden. Im Gegenteil, Energie entspricht dem männlichen Feueraspekt, und Blut und Gefühle werden dem weiblichen Aspekt Wasser zugeordnet  Mit Feuer (Energie) wird die Weiblichkeit (Wasser) nicht genährt und entwickelt, sondern vielmehr verdampft. Frauen benötigen eigene weibliche Wege, um ihr individuelles Potenzial zu entfalten. (Dieses grundlegende Thema ist im Buch Weibliches Manifest eingehend beschrieben).

Das Tor zur mystischen Welt

Jede Ebene und jeder Körper hat eine andere Aufgabe. Selbstverständlich unterstützen sie sich gegenseitig bei ihrer Arbeit, aber sie können keine Tätigkeiten übernehmen, für die sie nicht bestimmt sind. Wenn du all deine Haushaltgeräte betrachtest: Jedes hat eine bestimmte Funktion. Der Mensch ist eine grandiose Multifunktionsmaschine, in der aber all die unterschiedlichen Bereiche klar festgelegte Funktionen haben, auch in den unsichtbaren Körpern. Das alles habe ich mir nicht einfach ausgedacht – die unterschiedlichen Körper zu entwickeln, ist Bestandteil vieler  traditionellen Mysterienschulen in Ost und West und aus der sexuellen Schulung und Entwicklung kaum wegzudenken. 

Der Energiekörper ist nicht das Tor zur mystischen Welt, das ist nicht seine Funktion. Es ist für deine weibliche Heilung wichtig, dass du lernst, die beiden Gefäße – den Gefühlskörper und den Energiekörper – und ihre Funktionen deutlich, nicht nur mit dem Verstand, sondern auch als Erfahrung zu unterscheiden. 

Lass dich von deiner Weiblichkeit neu überraschen, sie ist der Schlüssel zu einer Sexualität voller Wunder und  das Tor zu einen authentischen lustvollen Spiritualität.

Auch Männer können und sollen sich von diesem bewusstseinserweiternden Umgang  mit Energie und Sexualität inspirieren lassen. Die Entwicklung einer neuen Weiblichkeit geht uns schließlich alle an.